Jona Gold und Elstar als TV-Stars

Pünktlich um 13 Uhr begrüßte der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Roland Heinkel zahlreiche Interessierte, die sich am Bänkle in der Kühsteiggasse für den Herbstumgang versammelt hatten. Bevor man sich auf den Weg machte, ging er kurz auf die Geschichte des OGV Dettingen ein, denn mit über 400 Mitgliedern ist dieser der größte OGV im Kreis Reutlingen. Gegründet gemeinsam mit Metzingen im Jahr 1919 und eigenständig seit 1979, wird also in drei Jahren das 50. Jubiläum gefeiert. Ein wichtiges Zitat aus dieser Gründungszeit heißt „Hast Du einen Raum, pflanze einen Baum“.
Ein sehr großer Baum der Ermstäler Knorpelkirsche, den man beim ersten Stopp „besichtigte“, nannte man in den 60ern das „Schwarze Gold des Ermstals“. Zu diesen Zeiten riss man den Dettingern die Kirchen regelrecht aus den Händen, tonnenweise wurden sie im Ländle verkauft. Leider ist das heute nicht mehr so, denn jegliches Obst kann das ganze Jahr über im Supermarkt erworben werden, kommt aus dem Ausland, ist natürlich billiger und zudem ist die schmackhafte Kirsche gemäß Norm einfach zu klein. Die Kirschenernte für die Gütlesbesitzer war in diesem Jahr noch ganz in Ordnung, wohingegen die Apfelernte leider nicht gut ausfallen wird. Verschiedene Faktoren spielen hierbei eine Rolle, vorneweg natürlich das Wetter, aber auch das Alternieren des Fruchtbehangs, denn war die Ernte im letzten Jahr doch überdurchschnittlich hoch. Die große Trockenheit verursachte heuer jedoch sehr kleine Früchte, von denen bereits schon viele abgefallen sind. An den am Baum verbliebenen wenigen Früchten hat der Hagel vom 16. Juli zugeschlagen und deutliche Schäden hinterlassen. Beim Gang über die Wiesen fallen auch extrem viele Mauslöcher und große Risse durch die Trockenheit auf, all dies sehr negative Begleiterscheinungen und man muss genau aufpassen, wo man seinen Fuss hinsetzt, um nicht umzuknicken.
Die nächste Station war die Wiese von Günther Müller, auf welcher unter verschiedenen größeren Bäumen auch eine wunderbar gepflegte Spindelbaumanlage steht. Er selbst erklärt dazu, dass er die Bäume alle auf der Unterlage M9 im Abstand von 1,50 Metern gepflanzt hat. Durch die schwach wachsende Unterlage, das ist der Stammabschnitt auf den die Veredelung aufgepropft wird, bleibt der Baum kompakt und liefert sehr schnell einen Ertrag, der an den niedrigen Bäumen bequem geerntet werden kann und auch den Rückschnitt erleichtert. Für jeden Baum hat er eine andere Sorte gewählt, frühe und späte Früchte, so dass er während der Saison immer etwas ernten kann. Er kennt sich bei den Obstsorten gut aus und jongliert gekonnt mit den Namen wie Jona Gold, Elstar, Braeburn, Gala, Rubinette oder Rubinola, der Lieblingsapfel seiner Enkel. Er ist überzeugt davon, dass es bis 20230 viele neue Sorten geben wird, die weniger schorfanfällig und mehr klimaangepasst sind.
Anschließend übernahm wieder Roland Heinkel das Wort. Er erläuterte, dass eine Streuobstzählung im Jahr 1965 ergab, dass es auf Dettinger Markung 90.000 Obstbäume gab, heute sind dies schätzungsweise nur noch 40% davon. Alle zwei Jahre startet der Verein eine große Baumpflanzaktion, bei der Dettinger Wieslesbesitzer durch die Sammelbestellung vergünstigt und mit Zuschuss der Gemeinde Bäume erwerben können. Dies bringt was jedes Mal um die 500 Bäume auf die Markung, ein Beitrag zum Erhalt der Streuobstwiesen. Beliebt sind dabei Walnussbäume, denn diese bedeuten eine einfache Ernte, man kann die Nüsse gut aufbewahren, sie sind gesund und man kann Öl daraus pressen. Aber grundsätzlich hat jeder die freie Wahl aus über 250 verschiedenen Baumsorten.
OGV Kassier und Imker Jakob Simader ging bei der nächsten Station auf die Wichtigkeit der Bestäubung durch Honig- und Wildbienen ein, denn diese bestimmt ausschlaggebend die Größe und Qualität der Frucht. Er erläutert, dass dieses Frühjahr hervorragend für die Imkerei war, eigentlich so gut wie selten zuvor und ab Mitte Juni, als die Temperaturen auf 35-40 Grad stiegen und die Trockenheit einsetzte, war es vorbei und der Ertrag schlecht wie selten zuvor.
Zum Abschluss des Umgangs appellierte der Vorsitzende an die Politik, die Kulturlandschaft der Streuobstwiesen durch Förderung zu erhalten. Danach ging es über zum gemütlichen Teil. Das CateringTeam des OGV war bestens auf den Ansturm vorbereitet. Es gab Rote, leckeren Rahm-, Zwiebel- und Krautkuchen, verschiedene Getränke und für den süßen Zahn natürlich auch Kaffee und Kuchen. Am Schuppen vor Ort konnte man verschiedene Traktoren und weitere Geräte, welche für die Bewirtschaftung von Wiesen unabdingbar sind sowie ein neues Schild mit Aufschrift „Obst- und Gartenbauverein Dettingen/Erms e.V.“ bewundern. Außerdem hatte man die Möglichkeit Wassersäcke zu erwerben, welche mit 75 Litern Wasser befüllt werden können und dieses nach und nach vor allem an jung gepflanzte Bäume abgeben, unabdingbar in solch trockenen Sommern. Bei guten Gesprächen in lockerer Runde ließ man den Tag am Schuppen ausklingen.
Ein Team des SWR-Fernsehens hat den gesamten Umgang mit einer Kamera und einer Drohne begleitet. In diversen Interviews wurden auch Stimmen einzelner Teilnehmer und Organisatoren eingefangen. In einem Beitrag der Sendung „Treffpunkt“ am 20. September soll dies ausgestrahlt werden. Siehe auch Link in der Mediathek.
Hier geht’s zum Fernsehbeitrag, ab ca. Minute 17:30 kommt der kurze Bericht unseres OGVs:
https://www.ardmediathek.de/video/treffpunkt/von-wald-bis-weinberg-anpacken-fuer-unsere-schoene-landschaft/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIzNTE3MDI
Hier geht’s zur Bildergalerie des Herbstumgangs